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TEIL 4- Rückenschmerzen? Vielleicht ist nicht Ihre Wirbelsäule das Problem – sondern Angst!

Aktualisiert: vor 5 Tagen


Stellen Sie sich Folgendes vor: Sie haben Rückenschmerzen. Sie waren beim Röntgen, im MRT und vielleicht sogar bei drei verschiedenen Spezialisten. Alle sagen dasselbe: „Wir sehen nichts Ernstes.“ Und trotzdem denken Sie: „Warum zum Teufel tut es dann so weh?“


Die Antwort könnte Sie überraschen: Weil Ihr Körper glaubt, dass er in Gefahr ist. Nicht, weil er tatsächlich verletzt ist – sondern weil er sich bedroht fühlt. Dieses Gefühl von Gefahr, ausgelöst durch Stress, Angst oder ein belastendes Erlebnis aus der Vergangenheit, kann ganz reale körperliche Schmerzen erzeugen.


Nein, das ist nicht „alles nur im Kopf“. Es passiert im Körper. Nur eben nicht dort, wo Sie es erwarten würden.


Hinter all dem steckt ein Gewebe, über das Ihnen in der Schule vermutlich kaum jemand etwas erzählt hat und das bis vor wenigen Jahren als völlig uninteressant galt: die Faszien.

Und wenn Sie erst einmal verstanden haben, wie sie funktionieren, werden Sie Ihren Körper – und Ihre Schmerzen – vielleicht mit völlig anderen Augen sehen.


Diese Artikelserie zeigt Ihnen Faszien aus einer Perspektive, die Sie in klassischen Fitnessartikeln kaum finden werden. Es geht darum, wie Emotionen, Stress und das Gefühl von Sicherheit die Spannung in Ihrem Körper buchstäblich verändern – und wie Sie diesen Mechanismus zu Ihrem Vorteil nutzen können.


Doch bevor wir zu den wirklich spannenden Dingen kommen, müssen wir erst verstehen, worüber wir überhaupt sprechen.


Was sind Faszien – und warum sollten sie Sie interessieren?

Faszien sind Bindegewebe, das buchstäblich alles in Ihrem Körper umhüllt und miteinander verbindet: Muskeln, Knochen, Organe, Blutgefäße und Nerven.


Die beste Vorstellung?


Stellen Sie sich einen Anzug aus einem unglaublich feinen, aber gleichzeitig extrem widerstandsfähigen Spinnennetz vor. Er umhüllt Ihren gesamten Körper – vom Scheitel bis zu den Zehenspitzen. Ohne Unterbrechung. Ohne Nähte. Ohne Lücken.


Faszien bestehen hauptsächlich aus vier Komponenten:

  • Kollagen – stabile Fasern, die dafür sorgen, dass dieses „Spinnennetz“ nicht reißt.

  • Elastin – elastische Fasern, die es dem Gewebe ermöglichen, sich zu dehnen und wieder in seine ursprüngliche Form zurückzukehren.

  • Wasser – Faszien bestehen zu einem großen Teil aus Wasser. Dadurch können die Gewebe sanft aneinander vorbeigleiten, anstatt aneinander zu reiben.

  • Zellen, die dieses Material rund um die Uhr erneuern, reparieren und umbauen.


Das Ergebnis?


Ein Gewebe, das gleichzeitig erstaunlich stabil und gleichzeitig flexibel ist. Vor allem aber: lebendig.


Faszien sind keine langweilige Füllmasse zwischen den „wichtigen“ Organen. Sie registrieren permanent, was in Ihrem Körper geschieht, und passen sich laufend daran an.


Warum Ärzte so lange kaum über Faszien gesprochen haben


Das klingt verrückt – ist aber wahr.


Über Jahrzehnte wurden Faszien bei anatomischen Präparationen einfach entfernt und entsorgt.


Wörtlich.

Damit Muskeln, Knochen und Organe besser sichtbar waren, wurde das Fasziengewebe als störende Hülle weggeschnitten. Es landete im Müll wie Verpackungsmaterial.


Genau dadurch verschwand jedoch das Interessanteste.


Schneidet man Faszien entlang einzelner Muskeln auseinander, wirken sie wie viele unbedeutende Hüllen.


Lässt man sie dagegen intakt, erkennt man etwas völlig anderes: ein einziges zusammenhängendes Netzwerk, das den gesamten Körper verbindet.


Erst moderne Untersuchungsmethoden und die Forschung an lebendem Gewebe – nicht an Präparaten ohne Faszien – haben gezeigt, dass:

  • Faszien extrem reich an Nervenendigungen sind – möglicherweise sogar stärker als die Muskeln selbst.

  • Sie aktiv auf Spannung, Bewegung und sogar auf Ihren psychischen Zustand reagieren.

  • Ihre Aufgabe weit über das bloße „Zusammenhalten“ des Körpers hinausgeht.

Mit anderen Worten:

Faszien sind keine langweilige Muskelhülle.

Sie sind ein eigenständiges Organ.

Und genau wie Herz oder Leber besitzen sie ihre eigenen Funktionen und ihre eigene Art, mit dem Rest des Körpers zu kommunizieren.


Ihr Körper ist kein LEGO. Er ist ein Spinnennetz.

Wir haben gelernt, den Körper als Sammlung einzelner Bauteile zu betrachten.


Dieser Muskel beugt den Ellenbogen.


Dieser Knochen trägt das Gewicht.


Dieses Organ verdaut das Mittagessen.


Für den Biologieunterricht ist das praktisch.


Mit der Realität hat es jedoch wenig zu tun.


Das fasziale Netzwerk verbindet alles miteinander.


Der Muskel, der Ihren Ellenbogen beugt, steht über Faszien mit den Muskeln der Schulter, des Rückens und sogar mit dem Gewebe rund um Ihre inneren Organe in Verbindung.

Ziehen Sie an einer Stelle dieses Netzes, verteilt sich die Spannung an ganz anderer Stelle – oft dort, wo Sie den Zusammenhang niemals vermuten würden.


Deshalb kann beispielsweise Ihr Knie schmerzen, obwohl mit dem Knie selbst alles in Ordnung ist.


Die eigentliche Ursache kann genauso gut im Sprunggelenk oder in der Hüfte liegen.


Und genau das ist der Einstieg in etwas noch Spannenderes, das wir im nächsten Teil genauer betrachten:

Dieses Netzwerk wird nicht nur von Muskeln gesteuert.

Es wird vom Gehirn gesteuert.

Und das Gehirn entscheidet ständig anhand einer einzigen Frage:

Bin ich hier sicher – oder nicht?


Lassen Sie sich nichts vormachen: Drei Mythen, an die noch immer viele Menschen glauben

„Faszien sind nur die Hülle der Muskeln.“


Nein.

Faszien sind ein eigenständiges, aktives und vollständig vernetztes Organ mit einem dichten Nervensystem.

„Ein Therapeut kann Faszien einfach lösen oder aufbrechen.“


Nein.

Fasziengewebe ist unglaublich stabil. Es lässt sich nicht einfach mit den Fingern „zerdrücken“ oder „auflösen“.


Was sich während einer Behandlung tatsächlich verändert, sind die Spannung im Gewebe und die Signale, die Ihr Körper an das Gehirn sendet.


Darauf gehen wir im nächsten Teil genauer ein.


„Eine Massage reicht aus und das Problem ist dauerhaft gelöst.“

Die Erleichterung nach einer Massage ist absolut real.

Aber sie ist meistens nur vorübergehend.


Eine nachhaltige Veränderung entsteht nicht durch einen einzigen äußeren Reiz.

Sie entsteht erst dann, wenn Ihr Nervensystem dieses neue Muster übernimmt.

Wie das funktioniert, erfahren Sie in den nächsten Teilen.


Wohin diese Serie führt

Das war erst die Grundlage.


Eine Art Aufwärmen, damit wir dieselbe Sprache sprechen.


In den nächsten beiden Teilen wird es richtig spannend.


Sie erfahren:

  • Warum das, was Sie als „Steifheit“ empfinden, möglicherweise gar kein Muskelproblem ist, sondern eine Schutzreaktion Ihres Gehirns, das beschlossen hat, Sie vorsichtshalber auszubremsen.

  • Warum Ihr Körper Schmerzen haben kann, obwohl er vollkommen gesund ist – und welche Rolle Stress sowie belastende Erfahrungen aus der Vergangenheit dabei spielen.

  • Warum Bewegung, bewusstes Atmen und Yoga dieses körpereigene Alarmsystem tatsächlich beruhigen können – und wie das funktioniert.


Mit anderen Worten:

Im nächsten Teil werden Sie entdecken, dass Ihr Körper viel stärker auf Ihr Gehirn hört, als Sie jemals vermutet hätten.

Und dass das Gefühl „Ich bin steif“ möglicherweise überhaupt nichts mit Ihren Muskeln zu tun hat.


Im nächsten Teil:

Warum nicht die Muskeln, sondern Ihr Gehirn die Spannung in Ihrem Körper steuert – und was das für nahezu jeden Schmerz bedeutet, den Sie jemals in Ihrem Leben gespürt haben.

 
 
 

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