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Teil 1: REKALIBRIERUNG

Aktualisiert: vor 18 Stunden

Was, wenn das Problem gar nicht du bist?



Liebe Freunde,

wenn ihr diesen Blog lest, gehört ihr wahrscheinlich zu den Menschen, die irgendwann beschlossen haben, etwas für ihre Gesundheit, ihr Wohlbefinden oder ihre persönliche Entwicklung zu tun. Und wenn es euch ähnlich geht wie mir, dann habt ihr vermutlich schon mehr als einmal voller Motivation beschlossen, dass ab Montag alles anders wird.

Ihr steht früher auf.

Ihr macht regelmäßig Yoga.

Ihr meditiert jeden Tag.

Ihr esst gesünder.

Ihr reagiert gelassener.


Und natürlich werdet ihr unter allen Umständen freundlich, ausgeglichen und weise bleiben.


Dann kam der Dienstag.

Und das Leben hatte offenbar einen anderen Plan.

Je länger ich mit Menschen arbeite, desto mehr fällt mir auf, dass wir uns oft die falsche Frage stellen. Wir glauben, unsere Schwierigkeiten seien das Ergebnis mangelnder Disziplin, eines schwachen Willens oder irgendeines persönlichen Defizits. Doch je tiefer ich mich mit moderner Neurobiologie, der Polyvagal-Theorie und gleichzeitig mit den Lehren Patanjalis beschäftigt habe, desto stärker begann ich daran zu zweifeln.


Was, wenn du gar nicht faul bist?

Was, wenn du gar nicht undiszipliniert bist?

Was, wenn du gar nicht zu sensibel bist?

Was, wenn dein Organismus einfach nur viel zu lange versucht hat, in einer Welt zu überleben, die er als unsicher wahrgenommen hat?


Das ist nämlich eine völlig andere Geschichte.

Stell dir vor, du hättest zu Hause einen Rauchmelder, der so empfindlich eingestellt ist, dass er jedes Mal Alarm schlägt, sobald du ein Stück Toast in den Toaster schiebst. Nach einigen Tagen würdest du vermutlich nicht mehr glauben, dass das Problem beim Brot liegt. Du würdest anfangen, die Einstellung des Rauchmelders zu hinterfragen.

Und manchmal verhält sich unser Nervensystem ganz ähnlich.


Es ist nicht kaputt.

Es arbeitet nicht gegen uns.

Es versucht lediglich, uns mit den Werkzeugen zu schützen, die ihm zur Verfügung stehen.

Das Problem ist nur, dass es manchmal auf alltägliche Situationen so reagiert, als würde gerade ein Säbelzahntiger um die Ecke kommen.

Das Ergebnis kennen viele Menschen nur zu gut:

Anspannung.

Erschöpfung.

Innere Unruhe.

Schlafprobleme.

Überforderung.


Der Eindruck, ständig funktionieren, leisten und kontrollieren zu müssen.

Genau hier beginnt das Thema, das mich in den letzten Jahren mehr fasziniert hat als jede neue Yogahaltung.


Rekalibrierung.

Nicht Reparatur.

Nicht Selbstoptimierung.

Nicht der verzweifelte Versuch, ein anderer Mensch zu werden.

Sondern Rekalibrierung.


So wie ein Musiker sein Instrument stimmt. Das Instrument ist nicht defekt. Es hat lediglich seine ursprüngliche Harmonie verloren.

Je mehr Erfahrungen ich sammle, desto mehr glaube ich, dass die meisten Menschen nicht repariert werden müssen. Sie brauchen Bedingungen, unter denen ihr Organismus wieder das tun kann, wofür er ursprünglich geschaffen wurde.


Und wenn das geschieht, passieren Dinge, die für viele Menschen fast wie ein Wunder wirken.

Sie schlafen besser.

Sie atmen freier.

Sie verfügen über mehr Energie.

Sie können mit Stress umgehen, ohne von ihm verschluckt zu werden.

Sie erleben mehr Freude an einfachen Dingen.

Sie fühlen sich wieder wie sie selbst.

Und nein, das ist keine Magie.

Es ist auch kein geheimes Wissen, das irgendwo in einer Höhle im Himalaya versteckt wurde.

Es ist die natürliche Folge eines Nervensystems, das wieder lernt, zwischen echter Gefahr und dem normalen Leben zu unterscheiden.


Deshalb beschäftige ich mich zunehmend mit der Verbindung zweier Welten, die auf den ersten Blick kaum unterschiedlicher sein könnten.

Auf der einen Seite steht die Yoga-Philosophie Patanjalis.

Auf der anderen Seite moderne Neurobiologie und die Polyvagal-Theorie.

Die eine ist mehr als zweitausend Jahre alt.

Die andere entstand erst vor kurzer Zeit.

Und dennoch habe ich immer häufiger das Gefühl, dass beide dieselbe Geschichte erzählen.

Die Geschichte eines Menschen, der nach mehr innerer Freiheit sucht.

Nach mehr Gelassenheit.

Nach einem Leben, das nicht von automatischen Schutzreaktionen bestimmt wird.


Dieser Blog entstand deshalb nicht, um eine neue Methode, eine neue Schule oder ein weiteres System zu erschaffen.

Davon gibt es bereits genug.

Er entstand, um zu inspirieren.

Um Gedanken zu teilen.

Um Techniken vorzustellen.

Um Bücher zu empfehlen, die meinen Blick auf den Menschen verändert haben.

Und um Brücken zwischen alter Weisheit und moderner Wissenschaft zu bauen.


Vor allem aber entstand er für die wunderbare Gemeinschaft, die sich im Laufe der Jahre rund um meine Arbeit gebildet hat.

Für Menschen, die neugierig geblieben sind.

Für Menschen, die bereit sind, Fragen zu stellen.

Und für Menschen, die spüren, dass wahre Veränderung oft nicht darin besteht, jemand anderes zu werden, sondern sich an das zu erinnern, wer man wirklich ist.

Denn wenn ich in all den Jahren eines gelernt habe, dann dies:

Die meisten Menschen sind nicht kaputt.

Sie sind lediglich erschöpft von einem Nervensystem, das viel zu lange Überstunden gemacht hat.


Die gute Nachricht ist:

Ein Nervensystem kann lernen.

Es kann sich verändern.

Es kann sich beruhigen.

Und es kann sich rekalibrieren.

Genau darum wird es in diesem Blog gehen.


Mit Dankbarkeit und herzlichen Grüßen


Marek Kawecki



 
 
 

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